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[ von Martina Weber ]

geräusche am morgen
langsam
bewegte löffel in tassen
noch nicht vertraut

in diesem haus bildet ein fels
die vierte wand und auf der zwischenmauer oben  
murmeln tönerne krüge vor sich hin

wie überall die verlornen
sie reden
aber nicht mit uns

 

[ von Martina Weber ]

horizontaler als das meer
ist die wüste immer
die spuren verwischen

keinen namen tragen nicht mehr
erkennbar sein warum
hast du das wort nicht unterstrichen?

wir sammelten wir dachten aber
wir hörten nie
dieselben hunde bellen
 
die fäden halten
das logbuch lies weiter
lies nur noch
die unterstrichnen stellen vor

genug grund
die decke auszurollen ein heiteres
ein

üben was leicht macht eine
verschwindung wie der franzose sagt

[ von Martina Weber ]

eine rot gestrichelte linie im meer

                                             
1

die breite treppe vom hafen her bröckelt, ungeplant
wuchernde minze und wassermelonen, stimmen,
die gegen den überbelichteten himmel blinzeln, wörter
wiegen in großen händen, ein straßengetümmel, ein schatten
riss an der wand, stillgestellt

im bewusstsein, was zählt,
ein handschlag, man sagt: geschäfte machen,
ein bisschen selbstüberschätzung, yes,
gute kontakte, aber nicht illegal,                                    
längerfristig betrachtet:      fair trade

2

und es mochte sonntag gewesen sein während
wir ruhten auf grünflächen grasflächen erholungsfunktion

kulturell codiert mit einem gedichtband vielleicht
im handschuhfach

wie würden sie es nennen?
umständehalber

3

ein fluchtreflex, ein komma, eine diskussionsvorlage
unverbindlich, wasserlöslich wie wir

4

umzingelt von sandigen böden, von dornen, faktisch
ein ghetto, eine rot gestrichelte linie
im meer bildet die grenze

zwischen kontinenten, ich korrigiere: zwischen
wirtschaftszonen, wie in neben stehendem schaudiagramm
deutlich gemacht

heißt es nicht: das glück
liege in unseren händen?

5

um mitternacht: hinweggerissen

            ein gewickeltes ein
            bündel in die tasche gelegt
            tarnfarben körperwarm

gelingt es der mutter nicht: wegzuatmen den schmerz

6

nachtschwalben geschwärzte regentropfen
fallen schwer auf sie ein, das regenkleid,
sommer, lose im gepäck

hinübergerudert wäre hinübergerettet
in ein refugium aufrecht gehaltenen kopfes

noch unverankert

7

blitzen sie auf im scheinwerferkegel:
schäferhunde fletschen ihr maul mit
einer leidenschaft fürs gehorchen

sie haben unsere maße gespeichert
sie rufen unsere namen durch lautsprecher auf
sie rücken die daten zurecht die wellen

schlagen im unterstrom ein
verschwindender handlungsstrang
dunkeltöne, die sich zu perlen formen, seltsam

leuchtende, auf dem langen weg
zum grund


   
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